Produktidentifikatoren: Die Änderungen zum 1. November für Händler außerhalb der EU

Lagermitarbeiter scannt ein Paket.
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Ab dem 1. November 2026 werden Produktidentifikatoren für Waren aus B2C-Fernverkäufen verpflichtend, die in die Europäische Union importiert werden. Im Zuge der EU-Zollreform liegt ein besonderer Fokus auf E-Commerce-Sendungen mit geringem Warenwert. Dadurch müssen Unternehmen künftig detailliertere, produktspezifische Informationen in ihren Zolldaten angeben.

Für E-Commerce-Unternehmen außerhalb der EU, die Waren an Kunden in der EU verkaufen, ist es wichtig, diese Informationen frühzeitig vorzubereiten. Fehlende Angaben zu Produktidentifikatoren können dazu führen, dass Zollbehörden eine Sendung nicht freigeben. Dadurch kann es zu Verzögerungen kommen, bevor eine Bestellung den Kunden erreicht.

Doch was genau ist ein Produktidentifikator, welche Sendungen sind betroffen und wo finden Unternehmen die erforderlichen Informationen?

Was sind Produktidentifikatoren?

Produktidentifikatoren (PIDs) sind Codes, mit denen ein einzelnes Produkt innerhalb einer Zollanmeldung identifiziert wird.

Während ein HS-Code die Zolltarifkategorie angibt, zu der ein Produkt gehört, identifiziert ein PID das konkrete Produkt, das versendet wird. Ein HS-Code kann beispielsweise einen Artikel als eine bestimmte Art von Elektronikprodukt einordnen, während die zugehörigen PIDs das konkrete Produktangebot des Händlers, das Modell des Herstellers und, sofern vorhanden, den anerkannten Barcode identifizieren können.

Die Einführung detaillierterer Produktinformationen soll folgende Bereiche unterstützen:

  • Bessere Rückverfolgbarkeit von Produkten
  • Durchsetzung der Produktsicherheit
  • Erkennung gefälschter Waren
  • Risikobewertungen durch Zollbehörden
  • Überprüfung der Einhaltung von Vorschriften

Ab dem 1. November können Zollbehörden nicht nur erkennen, welche Art von Artikel in die EU eingeführt wird, sondern auch, um welches konkrete Produkt es sich handelt.

Mitarbeitende verpacken Modeartikel in Kartons

Wann werden PIDs verpflichtend?

Die Anforderungen zur PID-Meldung wurden am 1. Juli 2026 veröffentlicht, damit Kunden ausreichend Zeit haben, die erforderlichen Produktinformationen vor dem 1. November vorzubereiten.

Ab dem 1. November 2026 soll die Angabe von PIDs verpflichtend werden. Fehlen die erforderlichen PID-Informationen, können Zollbehörden die Freigabe der Sendung verweigern.

Unternehmen sollten daher die Zeit bis November 2026 nutzen, um ihre Produktkataloge zu überprüfen, zu ermitteln, wo die relevanten Codes gespeichert sind, und sicherzustellen, dass diese Informationen in ihre Versand- und Zolldaten aufgenommen werden können.

Welche Sendungen sind betroffen?

Die neue Anforderung konzentriert sich auf Fernverkäufe von Waren, die in die EU importiert und direkt an Kunden verkauft werden. Dazu gehören:

  • B2C-Fernverkäufe, die in die EU importiert werden
  • E-Commerce-Bestellungen, die an Kunden in der EU verkauft werden
  • Sendungen mit geringem Warenwert, insbesondere Warenströme im Zusammenhang mit der Zollreform und der 150-Euro-Grenze

Klassische B2B-Importe zwischen umsatzsteuerlich registrierten Unternehmen sind in der Regel nicht betroffen. Auch gewerbliche Importe, die über reguläre Zollverfahren abgewickelt werden, fallen im Allgemeinen nicht in den Anwendungsbereich der derzeitigen Vorgaben.

Unternehmen, die sowohl B2B- als auch B2C-Bestellungen abwickeln, sollten daher sicherstellen, dass sie diese Sendungsarten in ihren Systemen und Datenprozessen voneinander unterscheiden können.

Diese verpflichtende Regelung betrifft alle Händler mit Sitz außerhalb der Europäischen Union, einschließlich Händlern aus dem Vereinigten Königreich, die Waren in EU-Länder wie Frankreich, Deutschland oder Spanien versenden. Wenn Sie jedoch bereits Warenbestände in einem EU-Mitgliedstaat lagern, gilt diese Regelung nicht für Sie. Auch wenn Sie als Händler innerhalb der EU Waren in ein anderes EU-Land versenden, sind Sie von den Änderungen zum 1. November nicht betroffen.

Drei Arten von PIDs

Merchant Product Identifier

Der M-PID ist der eindeutige Code, den der Händler oder die Online-Plattform zur Identifizierung eines Produkts verwendet.

Typische Beispiele sind:

  • SKU eines Händlers
  • Artikelnummer
  • Amazon ASIN

Der M-PID muss bei jeder betroffenen B2C-Einfuhranmeldung in die EU angegeben werden.

Frau lächelt bei der Arbeit und nutzt Laptop und Tablet

Non-standardised Manufacturer Product Identifier (NS-PID)

Der NS-PID wird vom Hersteller, Produzenten oder Lieferanten vergeben und identifiziert den jeweiligen Artikel innerhalb des eigenen Produktsortiments.

Beispiele sind:

  • Teilenummer des Herstellers
  • Modellnummer
  • Produktcode des Herstellers

Wie der M-PID muss auch der NS-PID bei jeder betroffenen B2C-Einfuhranmeldung angegeben werden.

Gestapelte Pakete und Scanner in einem Lager

Standardised Product Identifier (S-PID)

Der S-PID ist eine Kennung, die nach einem anerkannten Standard erstellt wurde. Beispiele sind:

  • GTIN
  • EAN
  • UPC
  • ISBN

Der S-PID ist verpflichtend, wenn für das Produkt eine anerkannte standardisierte Kennung verfügbar ist. Verfügt ein Produkt beispielsweise bereits über einen EAN- oder GTIN-Barcode, sollte dieser Code in den Zolldaten angegeben werden. Ist eine solche Information für das Produkt nicht verfügbar, handelt es sich nicht um ein Pflichtfeld.

Lagermitarbeiter zieht eine Palette mit Paketen

Welche Informationen müssen Unternehmen bereitstellen?

Die PID-Anforderung ersetzt nicht die Zollinformationen, die Unternehmen bereits heute bereitstellen. Stattdessen werden die Angaben in der Zollanmeldung um detailliertere Produktinformationen ergänzt.

Für jeden relevanten Artikel sollten Unternehmen folgende Angaben bereitstellen können:

  • Eine genaue Produktbeschreibung
  • Den korrekten HS-Code
  • Das Ursprungsland
  • Den Merchant Product Identifier (M-PID)
  • Den Non-standardised Manufacturer Product Identifier (NS-PID)
  • Den Standardised Product Identifier, sofern vorhanden (S-PID)
  • Die Menge
  • Den Wert pro Artikel
  • Den Gesamtwert

Spring GDS benötigt derzeit bereits folgende Angaben: Produktbeschreibung, HS-Code, Ursprungsland, Wert, IOSS-Nummer und EORI-Nummer. Mit den Änderungen zum 1. November kommen für Sendungen in die EU zusätzliche Angaben hinzu.

Diese Informationen müssen auf Produktebene bereitgestellt werden und verfügbar sein, wenn die Versandlabels gedruckt werden. Enthält eine Bestellung mehrere unterschiedliche Artikel, sollten die entsprechenden Daten daher für jede einzelne Produktposition vorliegen, anstatt die Angaben nur für das gesamte Paket bereitzustellen.

Wo sind die PID-Informationen zu finden?

Viele der erforderlichen Informationen sind möglicherweise bereits im Produktkatalog eines Unternehmens, im Warehouse Management System, auf der E-Commerce-Plattform oder im Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) hinterlegt.

Merchant Identifiers finden sich häufig im internen Produktkatalog eines Händlers oder auf der jeweiligen Verkaufsplattform. Manufacturer Identifiers können in Lieferantendaten, Produktunterlagen oder auf der Produktverpackung zu finden sein. Standardised Identifiers wie EANs und GTINs sind häufig unterhalb des Produktbarcodes aufgedruckt.

Unternehmen sollten jedoch nicht davon ausgehen, dass in jedem System dieselben Informationen hinterlegt sind. Ein sinnvoller erster Schritt ist es, die Produktdaten aus Ihren Verkaufsplattformen, Bestandssystemen und Lieferantendaten miteinander zu vergleichen. So lassen sich fehlende oder uneinheitliche Angaben identifizieren.

Kunde lächelt und arbeitet am Laptop am Schreibtisch
Operations Manager scannt ein Kleidungsstück aus einem Karton

Wie können sich Unternehmen vorbereiten?

Bevor die Anforderungen voraussichtlich am 1. November 2026 verpflichtend werden, können Unternehmen einige Maßnahmen ergreifen, um sich auf die Umstellung vorzubereiten.

  1. Produktkatalog überprüfen
    Prüfen Sie, ob für jedes Produkt ein Merchant Identifier und ein Manufacturer Identifier vorhanden sind.
  2. Standardisierte Codes identifizieren
    Erfassen Sie anerkannte Identifikatoren wie GTIN, EAN, UPC oder ISBN, sofern diese verfügbar sind.
  3. Zolldaten auf Produktebene überprüfen
    Stellen Sie sicher, dass Produktbeschreibungen, HS-Codes, Ursprungsländer, Mengen und Werte vollständig und korrekt sind.
  4. Systemfunktionen überprüfen
    Stellen Sie sicher, dass Ihre E-Commerce-, Lager- und Versandsysteme die zusätzlichen PID-Felder speichern und übertragen können.
  5. Datenfluss testen
    Wenn Sie die Informationen vor November überprüfen, können Sie mögliche Lücken identifizieren, bevor die PID-Meldung verpflichtender Bestandteil der Freigabe durch die Zollbehörden wird.

Neue Zollanforderungen für einen reibungsloseren Versand nutzen

Verpflichtende Produktidentifikatoren stellen eine wichtige Änderung hinsichtlich des Umfangs der erforderlichen Informationen für B2C-Sendungen in die EU dar. Auch wenn dadurch zusätzliche Daten bereitgestellt werden müssen, kann eine frühzeitige Vorbereitung Unternehmen dabei helfen, regelkonforme Zollanmeldungen abzugeben und das Risiko vermeidbarer Verzögerungen bei der Freigabe von Sendungen zu reduzieren.

Bei Spring GDS wissen wir, dass Änderungen bei Zollbestimmungen den internationalen E-Commerce komplexer machen können. Angesichts der bevorstehenden Änderungen möchten wir unsere Kunden unterstützen, indem wir die Anforderungen verständlicher machen und ihnen dabei helfen, ihre Produktdaten entsprechend vorzubereiten. Unser Ziel ist es, den internationalen Versand einfacher zu gestalten und während der Umstellung für Klarheit zu sorgen.

FAQs

Was passiert, wenn die Daten ab dem 1. November fehlen?

Ab dem 1. November 2026 müssen die erforderlichen Produktidentifikatoren (PID) für die betroffenen Sendungen angegeben werden. Fehlen verpflichtende PID-Informationen, können die Zollbehörden die Freigabe der Sendung verweigern. Dies kann zu Verzögerungen führen und dazu, dass die Bestellung den Kunden nicht wie geplant erreicht.

Ist ein PID dasselbe wie ein HS-Code?

Nein. Ein HS-Code klassifiziert die Art oder Zolltarifkategorie eines Produkts, während ein PID das konkrete Produkt identifiziert, das versendet wird. Die PID-Anforderung ersetzt den HS-Code nicht. Beide sind Bestandteil der Zolldaten auf Produktebene, die bereitgestellt werden müssen.

Ist ein PID dasselbe wie eine GTIN / EAN / ein Barcode?

Nicht ganz. GTINs, EANs, UPCs und ISBNs sind Beispiele für einen Standardised Product Identifier, kurz S-PID. Die PID-Anforderung umfasst jedoch außerdem:

Den Merchant Product Identifier, kurz M-PID, beispielsweise die SKU des Händlers, eine Artikelnummer oder einen Produktcode der Verkaufsplattform.

Den Non-standardised Manufacturer Product Identifier, kurz NS-PID, beispielsweise eine Teilenummer des Herstellers, eine Modellnummer oder einen Produktcode des Herstellers.

Benötige ich eine EAN, wenn ich Produkte ohne Barcode verkaufe, zum Beispiel handgefertigte, persona

Nein, Sie müssen nicht allein aufgrund der PID-Anforderung eine EAN erstellen. Ein Standardised Product Identifier, beispielsweise eine EAN oder GTIN, muss nur angegeben werden, wenn für das Produkt bereits eine solche Kennung vorhanden ist. Hat das Produkt keine anerkannte standardisierte Kennung, ist das S-PID-Feld kein Pflichtfeld.

Sie müssen jedoch weiterhin für jedes betroffene Produkt den verpflichtenden Merchant PID und Non-standardised Manufacturer PID angeben.

Kann ich meine SKU für alle Angaben verwenden?

Nein. Ihre SKU kann in der Regel als Merchant Product Identifier, kurz M-PID, verwendet werden. Sie ersetzt jedoch nicht automatisch die anderen Arten von Produktidentifikatoren.

Sie müssen zusätzlich einen Non-standardised Manufacturer PID angeben, beispielsweise die Teilenummer des Herstellers, eine Modellnummer oder einen Produktcode des Herstellers. Verfügt das Produkt bereits über eine anerkannte Kennung wie eine EAN oder GTIN, muss diese ebenfalls als S-PID angegeben werden.

Ich verkaufe dasselbe Produkt auf Amazon und auf meiner eigenen Website: ein PID oder zwei?

Dasselbe physische Produkt kann je nach Verkaufskanal unterschiedliche Merchant Product Identifiers haben. Amazon kann es beispielsweise über eine ASIN identifizieren, während auf Ihrer eigenen Website Ihre interne SKU oder Artikelnummer verwendet wird. Sie sollten den M-PID angeben, der zu dem Kanal gehört, über den das Produkt verkauft wurde.

Die Herstellerkennungen sollten weiterhin mit dem Produkt selbst verknüpft sein. Das bedeutet, dass der NS-PID und, sofern vorhanden, die EAN oder GTIN gleich bleiben können, auch wenn sich der M-PID zwischen Amazon und Ihrer eigenen Website unterscheidet.