Versand in die USA: Was die neuen Postimportbestimmungen für Sie bedeuten
Änderungen für E-Commerce-Unternehmen, die in die USA versenden
In diesem Jahr hat die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) neue Vorschriften eingeführt, die E-Commerce-Unternehmen betreffen, die über das internationale Postnetzwerk in die USA versenden.
Am 24. Juli 2026 wurde mit neuen Regelungen die langjährige De-minimis-Ausnahmeregelung für Postsendungen mit geringem Warenwert, die in die USA eingeführt werden, offiziell ausgesetzt. Gleichzeitig wurde ein neuer informeller Einfuhrprozess für berechtigte Postsendungen in die USA eingeführt. Ab dem 20. Januar 2027 wird der bestehende Prozess durch ein stärker digitalisiertes und standardisiertes Modell für Postimporte ersetzt. Zusammen stellen diese regulatorischen Änderungen eine der bisher größten Veränderungen für Postimporte in die USA dar.
Die Auswirkungen auf den Cross-Border-Versand gehen über die Einhaltung regulatorischer Vorgaben hinaus. Die Entwicklungen geben einen Einblick darin, wie der Cross-Border-Handel in Zukunft voraussichtlich funktionieren wird. Dabei werden Datenqualität, Produkttransparenz und die Vorbereitung auf Zollprozesse immer wichtiger.
Spring GDS unterstützt E-Commerce-Unternehmen dabei, diese Änderungen zu verstehen und sich auf ihre Auswirkungen vorzubereiten. Lesen Sie unsere Empfehlungen dazu, wie Sie diesen Übergang meistern können, und erfahren Sie, wie aktuelle Entwicklungen die Zukunft des internationalen Handels prägen.
Was hat sich geändert?
Die Änderungen der US-Einfuhrbestimmungen für Postsendungen begannen am 9. August 2025. Viele Jahre lang konnten importierte Waren mit einem Wert von höchstens 800 USD im Rahmen der administrativen De-minimis-Ausnahmeregelung in die USA eingeführt werden. Darauf folgte am 24. Februar 2026 die Einführung eines allgemeinen Zollsatzes von 10 % auf alle in die USA importierten Waren, mit Ausnahme bestimmter Produkte.
Die Aussetzung der De-minimis-Regelung für Postsendungen
Die erste Änderung war die unbefristete Aussetzung der De-minimis-Ausnahmeregelung für Importe mit einem Wert von höchstens 800 USD, die über das internationale Postnetzwerk in die USA gelangen. Seit dem 9. August 2025 setzt die CBP diese Ausnahmeregelung für Waren, die über das internationale Postnetzwerk eingeführt werden, auf unbestimmte Zeit aus. Postsendungen, die zuvor von einer vereinfachten Behandlung profitierten, unterliegen im neuen Rahmen nun Zollprozessen, der zolltariflichen Einreihung und der Ermittlung der anfallenden Abgaben.
Entwicklungen seit dem 24. Juli 2026
In dieser Phase der neuen Anforderungen wurden mehrere wichtige Änderungen für Postsendungen in die USA eingeführt. Auch wenn die Neuerungen technisch erscheinen mögen, zeigen sie deutlich, in welche Richtung sich die Branche entwickelt. Die Prozesse für Postimporte werden zunehmend an die Verfahren angeglichen, die traditionell für kommerzielle Frachtsendungen gelten.
Eine der wohl bedeutendsten Entwicklungen ist die Anwendung der regulären US-Zollsätze auf Postsendungen. Dazu gehören:
Meistbegünstigungszölle (Most Favoured Nation, MFN)
Section-232-Zölle, sofern zutreffend
Section-301-Zölle, sofern zutreffend
In der Vergangenheit wurden Postsendungen häufig anders behandelt als kommerzielle Importe. Die Änderungen vom 24. Juli verringern diesen Unterschied und sorgen für eine stärkere Angleichung der verschiedenen Einfuhrwege.
Für Unternehmen, die in die USA versenden, bedeutet dies, dass die Berechnung von Abgaben und das Management der Gesamtkosten bis zur Zustellung bei der Entwicklung ihrer Cross-Border-Strategie immer wichtiger werden.
Parallel zum neuen Abgabenmodell wurde der maximale Sendungswert von 800 USD auf 2.500 USD angehoben.
Dies eröffnet Händlern neue Möglichkeiten, höherwertige Produkte über Postnetzwerke zu versenden. Für viele Unternehmen bietet dies zusätzliche Flexibilität bei der Wahl des am besten geeigneten Versandwegs in den US-Markt.
Eine weitere Änderung, die am 24. Juli eingeführt wurde, betrifft die erforderlichen Zolldaten: Seitdem muss das individuelle Gewicht jedes einzelnen Artikels innerhalb eines Pakets angegeben werden.
Auf den ersten Blick mag dies wie eine vergleichsweise kleine Änderung erscheinen. Tatsächlich spiegelt sie jedoch eine umfassendere Entwicklung hin zu mehr Transparenz auf Sendungsebene wider.
Weltweit verlassen sich Zollbehörden zunehmend auf detaillierte elektronische Daten, um Risikobewertungen vorzunehmen und die Effizienz bei der Bearbeitung von Sendungen zu verbessern. Die USA verfolgen einen ähnlichen Ansatz.
Lizenzierte Zollagenten werden verpflichtend
Seit dem 24. Juli ist auch ein lizenzierter Zollagent verpflichtender Bestandteil des Einfuhrprozesses für Postsendungen. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Prozesse für Postsendungen zunehmend an kommerzielle Zollverfahren angeglichen werden.
Für Kunden von Spring GDS ist diese Anforderung bereits durch den operativen Rahmen mit PostNL abgedeckt. Sie können daher weiterhin versenden, ohne eigene Lösungen für die Zollvertretung implementieren zu müssen.
Was ändert sich ab dem 20. Januar 2027?
Während die Änderungen vom 24. Juli bereits bedeutend waren, könnten die Neuerungen ab dem 20. Januar noch größere Auswirkungen haben.
Ab dem 20. Januar 2027 wird der bestehende Prozess durch das neue „Entry Type 13 Informal Mail Entry Model“ ersetzt. Damit wird ein stärker digitalisierter und standardisierter Ansatz für Postimporte in die USA eingeführt.
Diese Entwicklung ist Teil eines umfassenderen globalen Trends. Weltweit gleichen sich die Zollprozesse für Postsendungen und kommerzielle Sendungen zunehmend an, da Behörden eine stärkere Kontrolle und einheitlichere Verfahren anstreben.
Im Rahmen des neuen Modells müssen Postsendungen mit einem Wert von unter 2.500 USD elektronisch über das Automated Commercial Environment (ACE) der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde eingereicht werden. Dies unterstreicht die zunehmende Bedeutung elektronischer Vorabdaten im globalen Handel.
Für Unternehmen ist die Botschaft klar: Korrekte und vollständige Sendungsinformationen sind nicht länger optional. Sie werden zu einer zentralen Voraussetzung für den internationalen Handel.
Eine weitere wichtige Entwicklung ist die Ausweitung der Prüfungen durch Partner Government Agencies (PGA) auf den Postversand.
Das bedeutet, dass Behörden wie die Food and Drug Administration (FDA) und die Consumer Product Safety Commission (CPSC) gegebenenfalls in die Prüfung bestimmter Postimporte einbezogen werden können.
Für Unternehmen, die regulierte Produkte verkaufen, werden die Compliance-Anforderungen im Postversand voraussichtlich stärker in den Fokus rücken. Im Zuge der Umsetzung können für einige Produktkategorien zusätzliche Datenfelder und ergänzende Informationen erforderlich werden.
Die Änderungen im Januar unterstreichen zudem die zunehmende Bedeutung von Daten zur Produktkonformität.
Im Rahmen des eFiling-Programms der U.S. Consumer Product Safety Commission müssen Konformitätszertifikate für bestimmte importierte Produkte bei der Einfuhr in die USA elektronisch eingereicht werden.
Diese Regelung führt zwar keine neuen Sicherheitstests ein, verschärft jedoch die Durchsetzung bestehender Compliance-Anforderungen für bestimmte Produkte, darunter:
Children’s Product Certificate (CPC): für Artikel, die für Kinder bis einschliesslich 12 Jahre bestimmt sind.
General Certificate of Conformity (GCC): für bestimmte regulierte Produkte, darunter Matratzen, Fahrradhelme, ausgewählte Textilien oder bestimmte elektronische Artikel.
Die Bedeutung guter Produktdaten
Diese regulatorischen Änderungen zeigen, wie wichtig es ist, dass Händler den Zollbehörden klare und korrekte Produktdaten zur Verfügung stellen. Beim Versand großer Mengen über Ländergrenzen hinweg können bessere Produktbeschreibungen erhebliche Auswirkungen auf die Kosten und die Geschwindigkeit der Zustellung haben.
Bei Spring GDS sehen wir regelmäßig Fälle, in denen in die USA versendete Produkte den höchsten Zollsätzen von 48 % zugeordnet werden, obwohl eine präzisere Produktbeschreibung zu einem deutlich niedrigeren Satz hätte führen können, im niedrigsten Fall 7,5 %. Aufgrund der verstärkten regulatorischen Prüfungen besteht bei ungenauen oder unvollständigen Produktbeschreibungen das Risiko zusätzlicher Prüfungen durch Partner Government Agencies (PGAs), die zu Verzögerungen führen können.
Warum diese Änderungen über die USA hinaus wichtig sind
Auch wenn sich diese Neuerungen auf einen einzelnen Markt konzentrieren, reicht ihre Bedeutung über die USA hinaus. In Europa, Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum führen Zollbehörden zunehmend Systeme ein, die auf Vorabdaten, digitalen Anmeldungen und automatisierten Risikobewertungen basieren.
Unternehmen stellen daher fest, dass präzise Produktbeschreibungen, Klassifizierungscodes und Compliance-Informationen schnellere Zollprozesse unterstützen und das Risiko von Verzögerungen oder Eingriffen reduzieren können. Unzureichende Daten können sich direkt auf die Customer Experience und die operative Performance auswirken.
Globale Logistikpartner müssen Unternehmen dabei unterstützen, sich auf die Zukunft vorzubereiten
Spring GDS betrachtet die US-Postreformen als Teil einer umfassenderen Transformation der internationalen Logistik. Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, E-Commerce-Unternehmen bei der Anpassung an eine bestimmte regulatorische Änderung zu unterstützen, sondern ihnen auch dabei zu helfen, die Grundlagen für ein zunehmend digitales Zollumfeld zu schaffen.
In den vergangenen Monaten gehörte dazu, unsere Kunden dabei zu unterstützen, regulatorische Entwicklungen zu verstehen, mögliche Auswirkungen auf ihre Abläufe zu bewerten und die Qualität ihrer Sendungsdaten sowie ihre Prozesse zur Produktklassifizierung zu verbessern.
Eine klare Kommunikation ist dabei entscheidend. Regulatorische Veränderungen können oft komplex wirken, insbesondere wenn neue Anforderungen schrittweise eingeführt werden. Kunden dabei zu helfen, zu verstehen, was sich geändert hat, welche Maßnahmen unmittelbar erforderlich sind und welche Entwicklungen zukünftig beobachtet werden sollten, bleibt ein wichtiger Bestandteil der Unterstützung international versendender Unternehmen.
Ausblick
Bei den neuen US-Einfuhrbestimmungen für Postsendungen geht es um mehr als nur Zollprozesse. Sie geben einen Ausblick auf die Zukunft des Cross-Border-Handels.
Wichtige Entwicklungen, die weiterhin beobachtet werden sollten, sind:
Der Unterschied zwischen Postsendungen und kommerziellen Importen wird zunehmend kleiner.
Die digitale Einreichung wird zum Standard.
Produktdaten entwickeln sich von einer administrativen Anforderung zu einem strategischen Faktor.
Für international tätige Unternehmen besteht die Herausforderung nicht nur darin, sich an neue Vorschriften anzupassen. Vielmehr geht es darum, sich auf eine Zukunft vorzubereiten, in der Transparenz, Compliance und Datenqualität die Grundlage jeder erfolgreichen Cross-Border-Sendung bilden. Erfolgreiche internationale Logistik bedeutet längst nicht mehr nur, Pakete zu bewegen. Es geht ebenso darum, Informationen mit derselben Genauigkeit, Transparenz und Zuverlässigkeit zu übermitteln wie die Waren selbst.